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Franz Jung - Kaufmann und Kommunist oder Von der Gemütswucht
Fritz Mierau, Autor der Biografie "Das Verschwinden von Franz Jung" im Gespräch mit Felix Eder, Übersetzer russischer Literatur
Der oberschlesische Katholik, Franz Jung, 1888-1963, kam 1911 mit seiner Frau Margot nach München. Wohl weniger um Nationalökonomie zu studieren und seine Novellensammlung "Das Troddelbuch" abzuschließen, als vielmehr den Aktivisten des "Tat"- Kreises um Erich Mühsam nahe zu sein.
Jungs eigentliche Leidenschaft war, die Lebensangst zu Bekämpfen und eine Technik des Glücks zu entwickeln. Die "Gemütswucht" sollte freigesetzt werden, mit der die Menschen so ungeschickt umgingen. Dieses Anliegen prägte die Engagements seines Lebens, besonders auch seine KPD - und KAPD - Arbeit und seine abenteuerliche Reise nach Moskau auf einem gekaperten Schiff, das ihn zum Kongress der Kommunistischen Internationale brachte.
Jung hat sich am Ende als gescheitert empfunden. Als Kaufmann erfolglos, als Kommunist in Ungnade, als einst gefeierter Expressionist Freiwild der Literaturhistoriker, als Kopf des Berliner Dadaismus vergessen.
War der Anspruch zu hoch gewesen? Hatten die Kräfte nicht gereicht? Ist er allein gelassen worden? Ende der 50er Jahre beschrieb Jung in einer Autobiografie sein Leben als einen Weg nach unten. Verlorene Illusionen, Abschied von der Utopie der Weltverbesserung, Avantgarde nur ein großer Bluff? Oder doch vielleicht der Gewinn von Nüchternheit, Menschenmaß und Achtung vor dem Einzelnen neben Dir.
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